Editorial
In den 1970er Jahren wurde es plötzlich unübersichtlich im Netz. Die Anzahl der verknüpften Rechenzentren lag längst im zweistelligen Bereich, zu amerikanischen Universitäten, dem Pentacon und der NSA kamen erste transatlantische Verbindungen, gefolgt von einer Datenflut, in der irgendwann niemand mehr militärische Kommunikation von wissenschaftlichem Diskurs und privaten Chats trennen konnte.
Wir haben bei diesem Heft versucht, die Grenzen einer vernetzen Welt in den Blick zu nehmen: Macht uns mehr Wissen frei oder unfrei? Wie weit reicht unsere Kommunikation und wie weit unsere Toleranz? Wer entscheidet, was wir sehen und was nicht? Wo verlaufen die Grenzen des menschlichen Verstehens und liegt die Zukunft des Denkens nicht doch eher bei den Maschinen ? Auf der Suche nach Grenzen sind unsere Beitragenden mit unter weit gereist: Ben Knight etwa, der in einem kleinen Wüstenort in Utah den größten Datenspeicher in der Geschichte der Menschheit besuchen wollte – dass er nicht weiter als bis zum Tor kam, liegt daran, dass die NSA als Betreiberin sehr viel Wert auf ihre Privatsphäre legt. Oder Ramin Mazur, dessen Heimatland Transnistrien es aus Sicht der restlichen Welt eigentlich gar nicht gibt. Aber Russland sieht das anders.
Wer über die Grenze nachdenkt, überschreitet sie bereits, sagt der Philosoph Robert Spaemann, mit dem wir in Stuttgart gesprochen haben. Das Gespräch kann einem Mut machen, auch den nächsten Schritt zu gehen und sich aus der Komfort- zone des eigenen Handels herauszubewegen. Wie etwa Joseph Heeg, der drei Fremden sein Auto lieh, oder Christian Herwartz, der in Berlin-Schöneberg gegen Abschiebung protestiert. Es waren diese Grenzverschiebungen in kleinen Schritten, die bei uns als Redaktion großen Eindruck hinterlassen haben. Und daher ist aus unserem Heft über Grenzen nun ein Plädoyer für Übergange und Gestaltungsspielräume geworden, für den Mut, den eigenen Horizont ein wenig zu verschieben. Mit Blick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen einer „Digitalen Moderne“ erheben wir dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn es allen nur ein wenig gelingt, reicht uns das.
Sebastian Pranz & Klaus Neuburg

Clowns ohne Grenzen ist eine internationale Organisation, die weltweit Künstler in Flüchtlingslager und Krisengebiete schickt. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt bei Kindern, die von Kriegsereignissen, Naturkata- strophen, sozialer Not oder anderen Krisen betroffen sind. 50 Cent pro verkauftem Heft dieser Ausgabe spen- den wir der gemeinnützigen Arbeit von Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V., auch darüber hinaus kann gerne gespendet werden – auf der Spendenplattform betterplace haben wir ein Projekt eingerichtet:
„FROH! trägt seinen Namen zu recht.
Man wird nämlich seines Lebens froh, wenn man sich dieser Form des literarischen Journalismus überlässt.“
Roger Willemsen (Autor)
„FROH! gibt dem persönlichen Mut einen kräftigen Schub“
Hermann Schulz (Verleger und Autor)
"Intelligent and incisive and driven by a fascinatingly conceptual approach to publishing, FROH! one of the most exciting magazines I’ve seen for a long time."
Steve Watson (Stack magazines)
Journalismus ist gesellschaftliches Engagement. Der gemeinnützige Verein FROH! e.V hat sich zum Ziel gesetzt, gesellschaftliche Gestaltungsprozesse anzustoßen und entwickelt journalistische Formate, die Diskurse über Werte eröffnen. Neben dem FROH! Magazin führen wir bspw. die internationale Workshopreihe „Publish Yourself!“ durch, bei der wir mit jungen Publizist/-innen innerhalb von zwei Wochen ein Magazin entwickeln und vor Ort produzieren:
FROH! e.V. arbeitet nicht gewinnorientiert, sondern ist auf die Unterstützung von Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen und Vereinen angewiesen. Die Beiträge in diesem Heft wurden uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Dafür danken wir allen Beteiligten ganz herzlich!
Katrin Göring-Eckardt, Prof. Nora Gummert-Hauser, Christopher Patrick Peterka, Stephan Schröer OSB, Dr. Michael Schlagheck, Dr. Stephan Wackwitz, Donata Wenders, Dr. Roger Willemsen
Sebastian Pranz (*1979) promovierte über die „neuen Medien“, blieb dann aber erst mal bei einem „alten Medium“ hängen. Seither pendelt er zwischen den Welten, beschäftigt sich als Forscher und Berater mit digitalen Trends und arbeitet als Publizist immer noch am liebsten auf Papier. Wenn er nicht gerade mit FROH! beschäftigt ist, reist er mit Klaus durch den Kaukasus, wo er mit georgischen Künstlern ein Archiv des Wandels aufbaut. Sebastian lebt mit seiner Familie und einer Gruppe zahmer Eichhörnchen in Köln Ehrenfeld.
Sebastian.Pranz@frohmagazin.de
Klaus Neuburg (*1977) studierte Architektur in Aachen. Obwohl er seit über 10 Jahren als Gestalter arbeitet, ist er der Meinung, dass ein Magazin genauso aufgebaut sein sollte wie ein Haus. Seine Arbeit an FROH! wurde 2011 mit dem red dot design award ausgezeichnet. Außerdem ist Klaus als Dozent an der Ruhrakademie Universität beschäftigt und unterhält gemeinsam mit Sebastian das BUERO ZOO in Köln, ein Büro für nachhaltiges Corporate Publishing. Klaus lebt mit seiner Familie in der Kölner Südstadt.
klaus.neuburg@frohmagazin.de
Dirk Brall (*1975) studierte kreatives Schreiben in Hildesheim, wo er inzwischen als Intendant das Literaturhaus St. Jakobi leitet. Dirk ist Schriftsteller von Theaterstücken, Kurzgeschichten und Romanen und ist überzeugt davon, dass sich Menschen immer noch am besten durch Geschichten inspirieren lassen. Für FROH! ist er seit der Gründung als Herausgeber tätig.
Dirk.Brall@frohmagazin.de
Christopher Peterka (*1978) ist Autodidakt, Cyborg, Vater von zwei Kindern und arbeitet gerne an Flughäfen. Das erste von bislang zehn Unternehmen gründete er mit sechzehn Jahren. Seit dem Jahr 2002 beschäftigt er sich hautpsächlich mit diesem Internet über dessen Funktion und Wirkung er das ein oder andere zu berichten weiß. Organisationen, die mehr davon verstehen wollen buchen ihn und seine Partner für Vorträge, lassen sich beraten oder gehen mit gannaca auf Expedition. FROH! begleitet er derzeit auf dem Weg in das Digitale - und setzt dabei auf den Geist und die Liebe der Community.
Simon Roth (*1984) studierte Gestaltung an der hfg in Karlsruhe und arbeitet inzwischen als Gestalter und Typograph in Köln. Unser Transitheft führte er mit schwäbischer Präzision über die Ziellinie und war dennoch immer wieder für typographische Grenzgänze zu begeistern.
Miriam Becker lebt und arbeitet als Designerin in Köln. Für FROH! ist sie seit unserer SPIEL-Ausgabe tätig, für die sie gleich noch die DDR-Streetphotos ihres Schwiegervaters ins Rennen brachte. Pünktlich zum Erscheinen unserer 11. Ausgabe ist Miriam Mutter geworden – wir gratulieren recht herzlich!
Jeannette Weber (*1983) absolvierte ihr Diplom in Kommunikationsdesign um danach zuerst einmal als Grafikerin in Berlin zu arbeiten. Mit ihrem Umzug nach Köln begann sie nicht nur ihr Master Studium Integrated Design sondern auch damit Zeit und Liebe in die Gestaltung des FROH! Magazins zu stecken. Mittlerweile lehrt und arbeitet sie an der Hochschule Niederrhein in Krefeld und ist darüber hinaus selbständig als Designerin in Köln.
Ben Knight lebt als freier Journalist und Übersetzer in Berlin. Er schreibt meistens auf Englisch, aber er kann auch wirklich gut Deutsch. Für FROH! stand er bereits im Boxring, hat Stalins Eisenbahnwagon inspiziert und versucht, in das größte Datenzentrum der Welt zu gelangen (kam allerdings nur bis zum Parkplatz). Außerdem hat er unser Tranist-Heft übersetzt.
Christian Kunz (*1980) startete nach einigen Stationen als art Direktor im Jahr 2008 als Freelancer für Digtital Interaction Design. Sein Büro Design am Main changiert virtuos zwischen Apps und Appelwoi, Websites, eShops und Handkäs. Bei FROH! ist er seit der Nullnummer für die Website zuständig, für die er drei Relaunches gestaltet hat.